Wilfried
Veedels-Pate
   
Dabei seit: 18.09.2006
Beiträge: 958
Veedel: Holweide
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| Alter Wrede in neuem Gewand |
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Der heutige Artikel aus dem Kölner Statdanzeiger passt gut an dieser Stelle. Doch nun lese ich, dass ein Düsseldorfer unsere Sprache recherchiert hat. Das hätte man ja wirklich nicht veröffentlichen müssen??!!??:
Heißt es „Gedöns“ oder „Jedöns“? „Sproch“ oder „Sprooch“? „Zoch“ oder „Zog“? Wie wird Kölsch korrekt geschrieben? Eine Art Bibel zu Kölns Gretchenfrage hat ausgerechnet ein Düsseldorfer geschrieben. Nun wird das Buch neu aufgelegt.
Was für ein Gedöns! Oder heißt es Jedöns? - Die einen schreiben „Sproch“, die andere „Sprooch“. Eine Fraktion fängt Kamelle beim „Zoch“, die zweite beim „Zog“. Die kölsche Gretchenfrage entzweit: Wie wird Kölsch korrekt geschrieben? So wie es der geborene Düsseldorfer (!) Adam Wrede (1875-1960) tat, der als Volkskundler an der Kölner Uni die erste umfassende Sammlung kölnischer Begriffe und ihrer Herkunft zusammentrug? Oder wie es die „Akademie för uns kölsche Sproch“ empfiehlt? Jeder hat seine eigene Ansicht. Manchem ist es völlig egal.
Aber eins steht unverrückbar fest: Der „Neue Kölnische Sprachschatz“ von Wrede ist mit 100.000 verkauften Titeln seit 1958 das meist verkaufte Buch Kölns. Es ist für den „professionellen Kölner“ Michael Euler-Schmidt vom Kölnischen Stadtmuseum „die Kölner Bibel“. Und für die Mundart-Autorin Elfi Steickmann „viel mehr als nur ein Wörterbuch“. Es ist Lesebuch, Fundgrube und „ein historisches Werk mit ursprünglicher Kraft“, weil es nicht nur Begriffe und Namen erklärt, sondern auch ihre Geschichte - und damit viele neue Türen auftat. Wie die, die nun der Greven Verlag geöffnet hat: Aufgrund nicht abebbender Nachfrage hat er das ursprünglich dreibändige Werk nun als „Volksausgabe“ zum „volkstümlichen“ Preis herausgebracht.
In der Neuauflage wurde an Wredes Texten, die teils auch noch persönliche Kommentare und Fragen enthalten, nicht gerüttelt. Neu ist hingegen eine sprachwissenschaftliche Einordnung in Form eines lehrreichen wie unterhaltsamen Einführungstextes von Peter Honnen. Als Autor und Bearbeiter von rund 100 Wörterbücher kommt der Niederrheiner zu dem Schluss: „Keine andere deutsche Großstadt hat solch ein kulturhistorisches Werk zu ihrem Dialekt - weder vom Umfang her noch vom Ansatz.“ Und für Michael Euler-Schmidt gab „der Wrede“ nicht nur den Anstoß zu seinem umfassenden Werk über die Geschichte der Kölner Stadtsoldaten, das auf Wredes Recherchen zum Begriff „Funk“ aufbaut. „Wir sind Profiteure von Wrede. Dieses Buch werde ich sicher bis an mein Lebensende lesen.“ Es war der Ausgangspunkt vieler neuer Bücher und werde es weiter sein. Wer weiß sonst, dass „Fisternöll“ nicht nur eine heimliche Liebschaft, sondern auch kleinteilige Bastelarbeiten beschreibt? Und aus dem Wort der französischen Besatzer für „sofort“ („tout de suite“) der Kölner schlicht „tuttswitt“ machte?
Wrede, Adam: Neuer Kölnischer Sprachschatz; Greven Verlag; 1152 S.; 24,80 Euro; ISBN 978-3-7743-0438-3
__________________ Jeder Mensch ist zu etwas nütze, zur Not kann er noch als schlechtes Beispiel dienen.
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Wilfried: 09.06.2010 09:05.
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09.06.2010 09:04 |
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Alexander
Obermoderator
  

Dabei seit: 23.09.2005
Beiträge: 2.172
Veedel: Deutz
Themenstarter
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Ja, großer Artikel im KStA. Und? Die blödeste Bemerkung darin war der Hinweis auf den Geburtsort Adam Wredes. Na und?
Niemand hat sich jemals so verdient um die Kölsche Sprache gemacht wie dieser Ex-Düsseldorfer!!!!! Der hat dem Volk jahrzehntelang "aufs Maul geschaut" und dann sein Werk geschrieben. Eine wahre Fundgrube für jeden Sprachliebhaber.
Das von der Akademie "gemachte" (Schreib-)kölsch ist damit überhaupt nicht zu vergleichen. Hier wurde strikt nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten eine Mundart verbogen und zum guten Schluss noch die neue deutsche Rechtschreibung drübergestülpt. Ekelhaft.
Und darüber, ob man "Sprooch" oder "Sproch", "mööd" oder "möd" schreibt, habe ich mich an anderer Stelle schon oft genug ausgelassen. Wer es partout nicht lernen will, dem kann ich auch nicht helfen. (Nein, ich bin nicht größenwahnsinnig geworden.!!)
Der "Streit" darüber, ob man "Jedöns" oder "Gedöns" schreibt, verkommt dabei zur Lachnummer. Vor Wrede wurde mit "g", nach Wrede mit "j" geschrieben. Muss ich mich dodrüvver opräje? Enä!
Wer beide Werke (Wrede/Akademie) sorgfältig vergleicht weiß, was ich meine.
__________________ Do laachs de dich kapott!
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09.06.2010 09:27 |
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Kelong
Obermoderator und Generalkonsul des Veedelsforum.de aller Kölner Stadtteile in Berlin
  

Dabei seit: 16.09.2005
Beiträge: 1.177
Veedel: Fröhter Klettenberg/Sülz, Vringsveedel, jitz Kreuzberg
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Boh, ist der Wrede jetzt billig.
Wenn man sich ernsthaft aufregen möchte, dann nicht über die Düsseldorfer Herkunft Wredes, sondern den völkischen Keu, den Wrede in der Nazi-Zeit verzapft hat.
Die Bedeutung seines Sprachschatzes steht dabei außer Frage.
__________________ Coellen eyn kroyn boven allen steden schoyn
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09.06.2010 11:05 |
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Alexander
Obermoderator
  

Dabei seit: 23.09.2005
Beiträge: 2.172
Veedel: Deutz
Themenstarter
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Ich war eben etwas eilig, weil ich noch weg musste. Dabei habe ich etwas Wichtiges übersehen:
Natürlich gab es auch Fritz Hönig, der etwa 50 Jahre vor Wrede ein Kölnisches Wörterbuch herausgebracht hat. Den Herrn darf man natürlich als Vorreiter in der kölschen Sprachkultur nicht vergessen!!!!!!!!!!!
Also, wer etwas über die Muttersprache erfahren und lernen will, sollte sich die 24,80 € nehmen und das nun wahrhaft dicke Buch kaufen! Ich habe allerdings noch nicht reingeschaut.
__________________ Do laachs de dich kapott!
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09.06.2010 11:11 |
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Fresche Jung
Veedels-Pate
   

Dabei seit: 29.06.2006
Beiträge: 925
Veedel: Frechen
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Och ich han dat Spelche vom Wrede jelese un wääde m'r ens dat Böjelche zoläjen domet ich met üch methalde kann.
Ävver jetz zu minge Frooche wo Ihr kein Aantwood drop hat.
Fröhter wood d'r Gröndonnersdach Wiese Donnerstdach jenannt weil dann die Komunionskinder zur Eetzkomunion jinge un aan Pooschte dann met ihre Ahle zur Komunion jon kunnten. Usserdem wor da och met Däuf un Firmung verbunge. 1215 änderte dat sich dann un die Pänz kunnten et sich dann uussöke wann se zor Komunion jon wullte. Doröm wood dann us däm Wiese Donnersdach ne grööne Donnersdach un dat, weil an dem Dach et Lukasevanjelium gelese weed ( Denn wenn man das am grünen Holze tut ... Lukas 23,31).
Jung wohr dat lang. Un jetz et wibbele.
Em 19. Johrhundert joov et eene " Maitrank ". Un däh wood us große grööngläserne Humpe jedrunke. Om Deckel von däm Humpe wor op eener Feder ne selver Vuggel drop un wenn dann einer am drinke wor moot hä sulang drinke, wie dä Vuggel am wibbele wor. Un dat jing esu lang bis dat keiner mieh dä Vuggel wibbele soch
Un jetz sei Ihr dran.
__________________ Et hät keine Senn, singe Pänz besser Kölsch beibränge ze welle,
se bubbele einem jo doch alles noh
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09.06.2010 12:04 |
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Alexander
Obermoderator
  

Dabei seit: 23.09.2005
Beiträge: 2.172
Veedel: Deutz
Themenstarter
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Am Wochenende ist in Deutz Straßenfest gewesen. Und alle waren wieder da. Kölsche Musik bis zur schlechten Laune. Kennt man eine, kennt man alle. Nun, sei's drum. Über Geschmack lässt sich nicht streiten!
Was mich aber umtreibt sind diese unseligen T-Shirts, Sweatshirts, Baseballmützen, Unterhosen und alles andere unnütze Zeug, auf das man draufgemalt hat, dass man "Kölsch" ist. Unfassbar, was es da an Blödsinn gibt. Aber auch hier: über Geschmack u.s.w.
Ich kriege jedesmal einen mittelgroßen Affen (auf Kölsch: Ich krije en Aap!), wenn ich die Texte auf den Textilien lese. Ich möchte nur ein Beispiel aus einer langen Reihe anbieten:
ne kölsche Diva
Was will uns diese Werbesendung sagen? Nun, dass die Trägerin eine kölsche Diva sei - was immer man darunter verstehen mag. Jetzt wissen wir aber nicht erst seit heute Vormittag, dass Kölsch mitunter reine Glücksache ist (nicht nur beim trinken!).
Jetzt noch einmal für die, die es immer noch nicht verstanden haben:
Hochdeutsch: eine kölsche Diva
Rheinisch: ne kölsche Diva
Kölsch: en kölsche Diva
Ist das wirklich so schwer? Wahrscheinlich ja. Sonst würde nicht laufend so ein Mist fabriziert. Also, wenn schon Kölsch, dann richtig Kölsch und kein Rheinisch.
Diese Aussage hat mir hier im Thread auch schon jemand übel genommen. Aber es kennen eben nicht alle den Unterschied.
Euer
"Klochscheeßer!!"
__________________ Do laachs de dich kapott!
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01.08.2010 13:14 |
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Alexander
Obermoderator
  

Dabei seit: 23.09.2005
Beiträge: 2.172
Veedel: Deutz
Themenstarter
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In der kommenden Session soll wieder Kölsch gesprochen werden! Diese Botschaft habe ich vernommen! Ich warne Euch!
Das designierte Dreigestirn wurde heute in meiner Tageszeitung vorgestellt, und da stand auch der entscheidende Satz. Das neue Dreigestirn will verstärkt Kölsch im Fastelovend sprechen - versprochen. Hoffentlich kein Versprecher!
Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen und hochmotiviert........
Ich drücke den drei "Fastelovendsjecken" von ganzem Herzen, dass sie auch in Köln verstanden werden....... Ävver mer wesse et jo ald lang: Kölsch kann jeder!!
__________________ Do laachs de dich kapott!
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07.09.2010 10:15 |
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